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Sieben Tage in Tibet – Auf zum Strand!

Böses Erwachen am nächsten Tag… So friedlich ging die Nacht am Jokhang Tempel scheinbar doch nicht zu Ende. Mein Reisepass ist weg! Wurde es mir am Tempelmarkt beim Feilschen widerrechtlich aus der Brusttasche „entwendet“ oder hatte ich es auf dem Weg zurück zum Hotel beim Zahlen im Taxi liegen lassen? Im Glaube an der Gutmütigkeit der Tibeter vermute ich mal das letztere. Sein Reisedokument zu verlieren ist keine schöne Erfahrung, schon gar nicht in Tibet, wo Ausländer besonders scharf kontrolliert werden. So machten wir uns am Morgen sogleich zur Polizei. Nach einigen Umwegen landeten wir schließlich beim Lhasa Immigration Office, wo ich schließlich meinen Passverlust melden konnte.

Trotz meines plötzlichen „Identitätsverlustes“ machten wir uns auf unsere Tagestour von Lhasa nach Namtso, dem größten See in Tibet und dem höchsten Salzsee der Welt mit einer Fläche von mehr als 500 Quadratkilometer. Auf dem Weg dort hin passierten wir u.a. den höchsten Punkt auf unserer Tibetreise, Largen La (La ken La) bei 5190 Meter. Da die Chinesen sich gerne mit Superlativen schmücken, erwarteten wir eigentlichen eine riesen „Strandparty“ am See. Jedoch kam uns ein kleiner Wetterumschwung in die Quere, welcher in kürzeste Zeit die ockerfarbigen Hängen mit Schnee bedeckten. So waren wir schließlich die einzigen Besucher am See.  Auch wenn man mit viel Phantasie sich durchaus vorstellen kann, dass bei Sonne, 20 Grad plus und Reggae-Beats sowas wie Strandfeeling aufkommen könnte, mussten wir zu keinem Zeitpunkt wirklich bedauern, unsere Badehose nicht eingepackt zu haben. Palmen suchte man vergeblich, dafür gab es bizarre Steinformation zu bestaunen. In Felsen gehauenen buddhistischen Tempeln ersetzten bunte Strandbars und Luxushotels. Und statt Surfbretter und Jetski-Verleih, hatte man die leicht eingeschränkte Auswahl, entweder klassisch zu Pferd oder auf einem (zugegeben) hübsch hergerichteten Albino-Yak die unendlich lange Strandufer abzuchecken. Beide Optionen waren angesichts des nahenden Schneesturms nicht wirklich attraktiv. Also kein Copacabana von Tibet, dafür aber eine einsame Stimmung am See, welche sich extrem gut mit Caspar David Friedrich’s Meisterwerk  Mönch am Meer beschreiben lässt. Wobei ich mir noch Gedanken machen muss, wie Billard spielende Tibeter so recht ins Bild passen.

Zurück in Lhasa ließ ich mir noch schnell Passfotos in einem lustigen Fotoladen machen, welches sich offenbar auf reisemüde Touristen spezialisiert hatte. Jedenfalls konnte man sich dort für wenig Geld  vor jedem erdenklich Tibet-Reisemotiv, von Potala Palast bis  Mount Everest Basis Camp, als Leinwand-Hintergrund ablichten lassen. Natürlich habe ich mich der Versuchung nicht hingegeben. 🙂 Anschließend trafen wir uns mit paar tibetischen Freunden am Markt, verkleinerte unser Reisebudget in einem der vielen Schmuckläden und gönnten uns noch ein kühles Lhasa-Bier.

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