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Sieben Tage in Tibet – Erster Tag in Lhasa

Majestätisch thronte der weitläufige Potala Palast wie eine mächtige Zitadelle über die ansonsten von flachen Bauten dominierten Innenstadt von Lhasa. Die rote chinesische Flagge, welche hoch über dem weinrot-angemalten Hauptflügel des Palastes wehte, verleihte dem ehemaligen Wohnsitz des 14. Dalai Lamas einen leicht martialischen Schliff. Dennoch ist der Palast keine Festung, sondern eine der heiligsten Pilgerstätten des tibetischen Buddhismus.

Unser Tag begann früh. Kaum erholt von den Strapazen der langen Zugfahrt und noch geplagt vom leichten Kopfschmerzen, Symptom der Höhenkrankheit, standen wir mit schläfrigen Augen am Eingang zum Palast und warteten brav als Teil des täglich auf 3000 limitierten Besucherkontingents auf Einlass. Während wir rumstanden, zog ein nicht enden wollender Strom von frommen tibetischen Pilgern, alt und jung, mit der mobilen Gebetsmühle ausgestattet an uns vorbei. Der komplette Mai stand im Zeichen von Saka Dawa, das heiligste Fest des tibetischen Buddhismus. Einige ganz fromme Pilger, die über tausende von Kilometer zu Fuß anreisen, überwanden die Strecke mit einem unglaublichen Kraftakt. Sie kamen nicht einfach zu Fuß, sondern brachten ihre Ehrfurcht vor Buddha zum Ausdruck, in dem Sie alle zwei Schritte sich flach auf den Boden ausstrecken. Überhaupt dominierten Pilger das Strassenbild in den Tagen unseres Aufenthalts in Lhasa. Anders als Touristen, wurden Pilger überall freier Eintritt in Tempeln gewährt. Sie waren oft daran zu erkennen, dass sie Kannen von Yak-Milch und Yak-Butter bei sich trugen als Opfergaben für die verschiedenen Gottheiten und Heiligen-Statuen. Viele der Buddhastatuen sind, wie ich auch aus Japan kenne, sorgsam in feinen Gewänden eingekleidet. Neben der Besichtigung von Unmengen von spirituellen Räumlichkeiten, u.a. die ehemaligen Schlafgemächer des Dalai Lamas, seine Meditationshalle sowie die goldenen Sarkophagen seiner Vorgänger, durften wir hoch oben vom Palast auch einen herrlichen wolkenfreien Panorama-Blick über die halbe Million Einwohner-Stadt Lhasa genießen.

Da wir die Morgenstunde sinnvoll nutzen wollten, ging es sogleich weiter zur nächsten religiösen Sehenswürdigkeit Drepung, ehemals einer der größten Staatsklöster in Tibet, wo über 10,000 Mönche lebten. Von den goldenen Zeiten zeugten auch die riesigen, auf Felsen gemalten, Bildnisse von Buddha an den Berghängen direkt hinter dem Kloster.  Mittlerweile leben in Drepung etwa 640 Mönche. Als wir dort ankamen, nahmen die meisten Mönche gerade an einer Meditationsstunde teil.  Der Eingang vor der Meditationshalle ist übersäht von herrenlosen Schuhen. Man sieht, auch tibetische Mönche tragen mittlerweile Nike. Allerdings frage ich mich ernsthaft, wie es gewesen sein müsste, als der Kloster noch 10,000 Mönche hatte. Wie hatte man damals nach der Meditationsübung jedes Mal seine Schuhe wiedergefunden? 😀

Nach soviel Buddhismus war ein Nachmittag-Bummeln durch Barkhor, die Altstadt von Lhasa mit seinen vielen verwinkelten Gassen voller einzigartige Gerüche und Farben genau das richtige. Zwischen den traditionell weiss-angestrichenen Häusern mit schön dekorierten Fensterläden fanden sich orginelle Touri-Fallen ehm.. Souvenirläden mit allerlei kitschigen Handwerkskünsten, welche das (überwiegend weibliche) Touri-Herz höher schlagen lassen.  Nun… zugegeben, für den männlichen Tourist war auch was dabei. Das Area gehört wohl zu einem der stärkten überwachten Gegend von Lhasa. Überall konnte man  bewaffnete Militärs und SWAT-Einheiten sehen, wie sie gegen den Strom der Pilger patrouillierten. 2008 war hier nicht grundlos einer der Brennpunkte der gewaltsamen Unruhe. Zentrum von Barkhor bildet nämlich der heiligste Ort in ganz  Tibet, der Jokhang Tempel. Grundlegung c.a. im Jahre 639 zur Feier der Vermählung zwischen dem tibetischen Königs Songtsen Gampo mit der Tang-Prinzessin Wen Cheng, beherbergt diese UNESCO Weltkulturerbe eine einzigartige Sammlung an tibetische Kulturschätze. Der Besuch des Jokhang Temples ist für jeder Tibeter so verbindlich wie eine Reise nach Mekka für die Moslems. Entlang der Außenmauer konnte man Tag und Nacht tibetische Pilger beobachten, wie sie in Uhrzeigersinn um den Tempel ihren Bahnen ziehen und vor sich hin beten.

Unsere müden Füssen ließen wir schließlich im Café Makyeame baumeln, ein bunter Platz, welcher unter abenteuerlustigen Backpackern Kultstatus genießt.

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