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Sieben Tage in Tibet – Sequel in Lhasa

Eine Musical-Vorstellung in Tibet? Was spontan nach einer abgefahrenen Idee klingt, war tatsächlich unser Abendprogramm am ersten Tag in Lhasa.  Und zwar steckte hinter dem einwenig platten Namen „Happiness on the Road“ eine aufwendig inszinierte Folklore zur Förderung der Tibetischen Kultur. Tatsächlich war die Mischung aus Pocahonta und König der Löwen durchaus eine spektakular Angelegenheit, tanzende Lamas inklusive.  Leider meinte mitten in der Vorstellung ein älterer Zuschauer hinter mir, er müsste die Schleimproduktion in seinem Rachen gleich an Ort und Stelle entleeren… Ich sage mal so, danach war meine Konzentration etwas geteilt.

Am zweiten Tag fuhren wir hinaus nach Ganden.  Der 50 Kilometer außerhalb von Lhasa, imposant an einem steilen Berghang gebauten Kloster ist bekannt als der Hauptsitz der Gelug-Schule. Gegründet vom großen Reformator der tibetischen Buddhismus, Tsongkhapa,  fiel der Kloster in den 60ern Jahren des vorigen Jahrhunderts der Zerstörungswut der chinesischen Kulturrevolution zu Opfer, wurde in den letzten Jahren aber weitgehend wieder aufgebaut. Auf dem Weg dorthin begegneten wir entlang der Landstraße immer wieder Gruppen tibetischer Pilgern, die unterwegs nach Lhasa waren. Der Art der gewählten Fortbewegung (alle zwei Schritte sich auf Boden werfend) machte es nicht leicht einzuschätzen, wie lange diese schon unterwegs waren.

Anders als Kloster Drepung, wo mehr Touristen als Mönche rumlaufen, konnte man in Ganden tatsächlich noch sowas wie die asketische Abgeschiedenheit des Klosterlebens nachempfinden. Ein Grund dafür mag die steile Bergstrasse sein, welche der Kloster wirklich schwer zugängig macht für die großen Touri-Bussen. Ohne All-Rad Antrieb käme man schlecht in die Nähe von Ganden. Diejenigen, die die Strapazen auf sich nehmen, wurden jedoch belohnt durch metaphorische Ausblicke und überwältigende landschaftliche Schönheit . Besonders gefallen haben mir die vielen kleinen Meditationsstuben in Ganden, bestechen sie doch durch viel Liebe zum Detail. In der Tat, die spürbare Gelassenheit in Ganden schiehen manchmal sogar auf nicht-menschliche Bewohner dieses heiligen Ortes auszudehnen.

Um die spirituelle Reise zu komplettieren, besuchten wir am Nachmittag noch Sera, den letzten der drei großen Klöster von Lhasa. Vom ersten Eindruck her auch ein sehr idyllischer Ort, entpuppt sich der Besuch jedoch als das genaue Kontrastprogramm zum Kloster Ganden. Ehemals errichtet als buddhistische Schule, besitzt Sera wie viele Klöster einen Debatierhof, wo junge Mönche lautstark (und oft mit Gebärden) über die richtige Interpretation von religösen Schriften streiten. Leider ist diese Übung mittlerweile in Sera völlig verkommen  zu einer Touriattraktion. Eine große Gruppe von debatierenden Mönchen bei deren Selbstdarstellung zu beobachten, während sie von einer noch größeren Gruppe von Digi-Kamera schwingenden Touristen umzingelt werden, entsprach nicht unbedingt  meiner Vorstellung einer spirituellen Auseinandersetzung mit dem Buddhismus. 😀

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