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Sieben Tage in Tibet – Unterwegs nach Bayi…Ba wo?

Zwei Tage Lhasa. Das ist erstmal genug „Großstadt“ für Urban Cowboys, die eigentlich nach Tibet gekommen waren, um  (temporär zumindest) dem weltlichen Leben zu entsagen. So verließen wir am dritten Tag die Tibet-Metropole Lhasa und machten uns auf nach Osten der autonomen Region. Unser Ziel ist die Stadt Bayi. Bayi (八一) heisst auf chinesisch „1. August“ und ist eigentlich der Tag der Gründung der chinesischen Volksbefreiungsarmee (1.8.1933). Dass eine Stadt danach benannt wird, deutet implizit darauf, dass Bayi eigentlich kein normaler Ort sondern ein bedeutender Miliärstützpunkt ist. Das zeigte sich auch später auf der Reise. Der Osten von Tibet ist wesentlich strenger bewacht als der Rest der Region. Es gibt wesentlich mehr Strassensperren und ohne ein gültiges Einladungssschreiben dürfen bestimmte Gebiete von Zivilisten (und insbesondere Ausländern) gar nicht betreten werden. Bayi selbst als Stadt ist eigentlich langweilig. Außer unzählige, als Friseurläden getarnte, Bordelle (mutmaßlich zur Beruhigung der Truppen) gibt es in der Stadt eigentlich nichts aufregendes zu sehen.

Wesentlich interessanter war die acht-stündige Fahrt in unserem Minivan dorthin. Wie heisst es so schön, der Weg ist das Ziel, auch wenn dieser öfters als uns lieb war von wandernden Nutztieren mitbenutzt wurde. Immerhin hatten wir so die Möglichkeit, einige landschaftliche Perlen beim Vorbeifahren mit der Kameralinse zu erfassen. Denn ansonsten donnerte unser Fahrer zum Unmut der Hobbyfotografen in der Reisegruppe, fast immer mit Tempo 100 durch die Gegend, und das auf der berüchtigte Sichuan-Tibet-Route, die als besonders gefährlich galt.  Das zeigte sich zum Beispiel daran, dass an manchen Stellen explizit mit Hinweisschildern zum Einsatz von Hupen aufgefordert wurde. Und auch diese hübsche Polizistenattrappe stand mahnenderweise alle paar Kilometer. Ob diese noch abschreckende Wirkung auf Temposünder hatte, war nicht überliefert. Einigen waghalsigen Verkehrsteilnehmern wie diesem Mopedfahrer mit eingebautem (Schleuder)Sitz für Babies dürfte die Antwort wohl ziemlich egal sein.

Eine andere Möglichkeit, um an unverwackelte Bilder zu kommen, boten die vielen Pausen zur Erleicherung der Blase in der freien Natur, u.a. weil auch die vorgesehenen Pickelstätten nicht wirklich einladend wirkten. Ich war auf jedenfall überrascht, was man(n) beim Pinkeln für schöne Bilder schießen vermochte. Auch mussten wir öfters gezwungenermaßen an Ortschaften halten, weil unser Fahrer mal wieder zu schnell gefahren war. Es gibt auf der Landstrassen von Tibet nämlich eine interessante Methode zur Eindämmung von Raserei. Zur Beginn der Strecke kriegt jeder Fahrer ein Zettel von der Polizei in die Hand gedrückt. Dort steht, wann er wo losgefahren ist. Am Ende einer bestimmten Strecke steht wieder eine Polizeikontrolle, welche den Zettel überprüft. Hat der Fahrer  für die Strecke weniger Zeit gebraucht im Vergleich zu einem Richtwert, so gilt er zu schnell gefahren und muss zahlen. Eigentlich ein durchdachtes Konzept, nur mit einem wesentlichen Haken. Die meisten Fahrer halten nämlich kurz vor der Zielkontrolle an und sitzen die fehlende Zeit einfach ab! Somit rasten absurdeweise alle immer noch wie der Teufel und warten dann am Ende der Strecke. So legte unser Fahrer auch desöfteren eine „Raser-Pause“ ein. Diese wurde natürlich fleissig zum Fotos machen benutzt, dabei entstanden weltbewegende Bilder von diesem  Sustainable Kochherd oder das von einem zugegeben sehr süssen Vollblut Do Khyi, eine seltene tibetische Hunderrasse. Da der Osten von Tibet höhentechnisch tiefer liegt, wurde die Vegetation auch mit der Zeit dichter und grüner je näher wir Bayi nährten. Wenn man die knall-bunten Häuser wegdenken würde, welche die Tibeter mittlerweile mehr bevorzugen als das traditionellere Leben in Zelten. , könnte man fast meinen, man sei in „Tibetische Schweiz“ gelandet.  „Must-Sees“ werden natürlich extra ausgeschildert, wie etwa dieser tolle Fels in der Flussmitte. Den hätte ich gerne als Souvenir mitgenommen. Dort trafen wir übrigens auch paar echte Abenteuerer aus Peking, die mit ihrem Jeep den ganzen Weg von der Hauptstadt aus gekommen waren.

Die holprige Fahrt nach Bayi hatte ihren Preis. Eine Mitreisende musste wegen Verdacht auf akute Blinddarmentzündung in die Notaufnahme, womit wir die einmalige Gelegenheit hatten das einzige Krankenhaus bzw. „Emergency Canter“ von Bayi zu begutachten. Der behandelnde tibetischer Arzt war aber super nett und hatte sogar die Diagnose kostenlos gemacht. Zum Glück war nichts schlimmes und wir konnten die Reise am nächsten Tag fortsetzen.

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