Archive for the ‘Beijing’ Category

Sieben Tage in Tibet

Gut, genau genommen (und auch gefühlt) war ich länger weg als nur sieben Tage. Die Reise zum Dach der Welt begann bereits am 15.Mai. An jenem Frühmorgen  brachte mich ein klappriger Airbus von Type A320 der Sichuan Airline von Beijing nach Chengdu, die Provinzhauptstadt von Sichuan. Dort traf ich dann meine Reisebegleiter. Anschließend verbrachten wir über zwei Tage und Nächte im Zug nach Lhasa, nahmen dabei einen beträchtigen Umweg über halb Westchina bevor wir endlich in der Haupstadt Tibets ankamen.  Netto waren’s dann sieben volle Tage, die wir in Tibet und Umgebung verbracht haben.

Die vielen dabei gesammelten Eindrücke in einen einzigen Artikel zu packen, wird die Bedeutung dieser erlebnisreichen Abenteuer sicherlich nicht ganz gerecht. Von daher habe ich mich entschlossen, daraus eine chronologische  Artikelserie zu machen, die ich peu a peu nachliefere. Hoffentlich kriege ich alles noch auf die Reihe. Zudem warte ich noch auf wesentlich beeindruckendere (weil Spiegelreflex-) Fotos von  meinen Reisebegleitern und werde diese natürlich nachliefern sobald diese verfügbar sind.

Chinese Büro Story

Neben dem allseits beliebten Thema „Geld“ gibt es für die Chinesen nichts wichtigeres als „Beziehung“. Um Verwirrungen vorzubeugen, geht es hierbei nicht etwa um Beziehungen im Sinne von Connections, die ohne Zweifel auch ein extrem wichtiger Bestandteil des chinesischen Soziallebens darstellt. Nein, mit „Beziehung“ meine ich diesmal tatsächlich die „Liebesbeziehung“, die auch deswegen so eine herausragende Rolle im Privatleben eines Chinesen einnimmt, als dass ein Durchschnittschinese, im Vergleich zu den Europäern oder Amerikanern, in seinem erwachsenen Leben weitaus weniger Beziehungen durchläuft bevor der „Ernstfall“ eintritt. Die kaum vorhandene Regelmässigkeit, mit der ein Chinese solche emotionale Achterbahnfahrt durchlebt, spiegelt sich etwa auch darin wieder, dass „eine Beziehung führen“ für einen Chinesen weniger ein Lebensabschnitt ist, sondern viel mehr vergleichbar eine Aufgabe, die sowohl strategisch als auch taktisch aktiv und mit sorgfältiger Plannung angegangen werden muss und die vorallem einen Best Practice folgt. Nicht um sonst heisst es auf chinesisch „谈恋爱“, was frei übersetzt sowas wie „Reden über die begehrende Liebe“ bedeutet. Die Betonung der verbalen Komponente in einem solchen Akt der zweisamen Begierigkeit musste ich oft genug am eigenen Leibe erfahren. Die unzähligen, „zufällig“ von Verwandten und Freunden herbeigeführten, (Blind-)Dates mit potentiellen Beziehungspartnern (相亲) zeigten auf erschreckender Weise, dass an der Einleitung einer Liebesbeziehung auf Chinesisch stets der Charakter einer verbalen Verhandlung haftet. Nichts wird dem Zufall überlassen. Oft wird am Verhandlungstisch (nicht selten unter Anwesenheit von Elternteilen oder zumindest engen Verwandten) mit harten Bandagen gekämpft. Und beide Parteien geben sich keine Ruhe, bis alle Karten auf dem Tisch liegen, wenn sie nicht schon vorab des Verhandlungstermins bereits Informationen aus Drittquellen über die Kontrahenten beschafft haben…

Bisher dachte ich, dass man am Arbeitsplatz von solchen „freundlich gemeinten“ Eingriffen in die eigene Privatsphäre verschont wird. Aber weit gefehlt. Neulich half ich einem Kollegen am Nebentisch beim Lösen eines technischen Problems an seinem Laptop. Beiläufig fragte er mich, ob ich schon iliert sei. Als ich die Frage verneinte, ist der Kollege, selbst schon Vater einer erwachsenen Tochter, plötzlich Feuer und Flamme und wollte unbedingt wissen, was für eine Art Lebenspartner ich mir denn vorstellen könnte. Nachdem ich die Frage überhaupt erst realisiert habe, meinte ich nach hinundher scherzhaft, wohl auch um das bizarre Bürogespräch schnellst zu beenden, dass die junge Kollegin, mit der er letzens am Tisch unterhalten hat, doch ganz nett sei. Diese beiläufige Aussage sollte sich noch als ein großer Fehler herausstellen. Denn heute kam der entsprechende Kollege tatsächlich lächelnd angeschlichen und brachte mir mit vorgehaltener Hand die freudige Botschaft, er habe nun mit der entsprechenden Kollegin persönlich über mein „Interesse“ ihr gegenüber gesprochen! Sie sei nun nicht abgeneigt. Und ich möge sie doch bitte jetzt zum Essen einladen, um die nächste Etappe des „Redens über die begehrende Liebe“ einzuleiten! Arrrgh!

Meine lieben chinesischen Kollegen überraschen mich doch immer wieder aufs neue mit ihrer Bereitschaft zur Eigeninitiative… 🙄

Juhu, ich bin Millionär!

Nun ja, quantitativ stimmt die Aussage zwar, aber leider nur auf die koreanische Währung bezogen. 😛 Da ich morgen ja für paar Tage nach Seoul fliege, habe ich mich heute bei der Bank of China vorsorglich mit der südkoreanischen Landeswährung eingedeckt. Ich glaube, wenn es sowas wie ein Ranking für das Land mit den meisten (Landeswährung-)Millionären gäbe, dann wäre Südkorea wohl ziemlich weit vorne. Bei einem aktuellen Umtauschkurs Euro : Südkoreanischer Won von 1 : 1472, ist mir das Geldzählen heute auf der Bank etwas schwer gefallen. Dafür bin ich jetzt tatsächlich Won-Millionär. 😀

Bin mal gespannt, ob ich beim Einkaufen vorort meinen Taschenrechner zücken muss…

Money Money Money

Mal wieder Essen

War diese Woche wieder Pekingente essen. Ich komme einfach nicht davon los, auch wenn ich mir langsam Sorgen über meine Figur machen müsste 🙂

Anbei paar Fotos vom Essen mit paar anderen ansehenlichen Leckerleien.

Bin übrigens ab Donnerstag und über die Maifeiertage in Seoul und höchst wahrscheinlich nicht online. Melde mich spätestens am Dienstag nächster Woche wieder.

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Gedämpfte Schweinskopf

Eigentlich sind die Dumplings auf den Fotos zu toll gemacht, um verzehrt zu werden. Gegessen habe ich sie trotzdem. Und um Eure brennende Frage zu beantworten: nee, die Füllung ist nicht etwa aus Schweinefleisch, sondern unverständlicherweise aus Marzipan.

Es schifft!

Als ich heute Morgen in die Freie trat, wurde ich doch tatsächlich von einem freudig vor sich her tropfenden Himmel über Beijing überrascht. Überrascht daher, weil ich mich nicht erinnern kann, so ein Regenwetter in seiner vollen Pracht in Beijing erlebt zu haben, seit ich hier weile. Der kaum vorhandene Niederschlag in Beijing hat gerade angefangen zu langeweilen. Da kommt so ein Platzregen gerade Recht. Mir überkam in dem Augenblick fast das wohlig-feuchte Gefühl wieder in Shanghai zu sein. Aber nur fast. 😀

Local Fast Food

Der Lebensrhythmus in Peking ist schnell. So kann ich bei besten Willen auch nicht immer auf Fast Food verzichten. Allerdings darf ich mich damit rühmen, noch nie klassich bei McDonald’s und Co. vorbeigeschaut zu haben, seitdem ich wieder in China bin. Das kostet übrigens auch nicht wirklich viel Überwindung bei dem unerschöpflichen Angebot an chinesische, koreanische und japanische Fast-Food-Ketten in China, die, subjektiv gesehen, qualitativ auchwesentlich besser sind.

Mein persönlicher Favorite zur Zeit ist übrigens die Kette „和合谷“ (spricht sich Hé Hé Gû). Bestnote bekommt nicht nur der optisch hübsche chinesische Reisschüssel, sondern natürlich auch das Essen, wie z.B. der leckere „geschmorte DongPo-Schweinebauch“ wie auf dem Bild. In Set bekommt man noch einen halben Liter super heisse Sojamilch und eine höchstens als niedlich zu bezeichnende Portion Salat. Und das alles für knapp 3 Euro. Dafür würde ich jederzeit freiwillig einen Big Mac hergeben…

Und das schönste ist, man muss nicht mit den Fingern essen! Es gibt Stäbchen und Löffel für eine zivilisierte Essenshaltung. So ganz Fast Food in Reinkultur ist es daher eigentlich nicht mehr. 🙂

Wie hoch war der CO2 Ausstoß bei Deiner Hochzeit?

Traditionell wird die Hochzeit in China ja mit sehr viel Aufwand durchgeführt. Ein standesgemäßes Bankett mit möglichst vielen nahen und fernen Verwandten, Freunden und Kollegen will ausgerichtet werden. Und es gehört mittlerweile zum guten Ton, dass die Braut inklusive Gesellsschaft mit einer Armada von Limusinen zum Ort der Feierlichkeit chauffiert wird. Ein professionelles Kamerateam wird engagiert, um den schönsten Tag im Leben zweier Menschen auf Bildern und Videos festzuhalten. Der Perfektion wegen wird meistens für das Projekt die Hilfe von professionellen Heiratsplannern in Anspruch genommen.

Aber im Zuge der globalen Erwärmung hat der derzeitige Modewort „Sustainability“ mittlerweile natürlich auch China erfasst. Und das ausgerechnet auch noch in einem der, ohne Frage boomenden, aber auch nicht gerade für Nachhaltigkeit bekannten Wirtschaftszweigen. Das Schlagwort heisst:  „Kohlenstoffarme Hochzeit“ (底碳婚礼). Hauptunterschied zur herkömmlichen Hochzeit: Keine Wedding-Planner, keine Limosinen, die Hochzeitsgesellschaft kommt mit dem öffentlichen Verkehrsmitteln. Und der Bräutigam trägt die Braut wortwörtlich selbst zum Altar. 😀

Da sagt noch einer, Chinesen hätten keinen Sinn für (umweltbewußte) Romantik…. 😉

http://news.shm.com.cn/2010-04/08/content_2893103.htm

Arbeitsplatz der Kuscheltiere

In Vertrieb ist Mobilität ein ganz wichtiger Faktor. Weil in der Pekinger Niederlassung meiner Firma hauptsächlich Vertriebsleute ansässig sind, wird hier das Prinzip von Hot Desk Sharing gelebt. Das heisst konkret, dass die Mitarbeiter keinen festen Arbeitsplatz haben, sondern sich jeden Tag einen freien Schreibtisch „erkämpfen“ müssen.  Dort schließt man sein Laptop an, loggt sich per Passwort ins IP-Telefon ein, und ruckzug ist man bereit zum Malochen. Für Vertriebsleute, die eh nur sporadisch im Büro sitzen (dürfen), ist das natürlich eine super Sache, um Kosten zu sparen. Für Mitarbeiter allerdings, die nicht in Vertrieb arbeiten (wie ich und einige andere) bedeutet das aber auch Nachteile. So darf man eigentlich keine persönliche Sachen über Nacht am Tisch zurücklassen, da man sich nie sicher sein kann, dass der Platz morgen noch frei ist. Trotzdem haben sich einige findige Mitarbeiter unerlaubterweise Stammplätze für sich gepachtet, wie man auf dem Bild sieht, manchmal durchaus mit recht „rabiaten“ Mitteln. Der (vermute ich mal) weibliche Mitarbeiter dachte sich in diesem Fall wohl, niemand würde sich freiwillig an einem Platz niederlassen, der so kindisch dekoriert ist. Tja, ich hab’s trotzdem gemacht, als ich heute zuspät zu Arbeit kam und alle andere Plätze schon besetzt waren… Wie heisst es nochmal so appetitlich? In Not frisst der Teufel Fliegen. 🙂

Lamm „Skorpion“ Hotpot

Heute war ich nach’m Tanzen wiedermal zusammen mit meinem Tangolehrer und Mitschüler Abendessen. Diesmal haben sie mich zu einem Spezialrestaurant für „Lamm Skorpion“ Hotpot (羊蝎子) geschleppt. Bei dem Namen habe ich schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Schließlich war ich dann doch froh, dass man nicht etwa lebende Skorpione in kochendes Wasser werfen musste, sondern dass der Name daher rührt, dass die eigentliche Hauptzutat, Lammrücken von jungen Lämmern, wie der Stachelschwanz von Skorpionen aussieht. Also alles rein bildlich…puh 😀

Das Ganze sah dann auch entsprechend harmlos aus; Schmeckte aber wirklich vorzüglich. Ein Highlight war sicherlich die Zubereitung von Nudeln fürs Hotpot. Diese werden nämlich als runde und dicke Teigformen serviert und mussten von der Bedienung am Tisch zu Nudeln gemacht, besser geschmissen, werden. Der Vorgang habe ich natürlich als Video festgehalten.