Archive for Juni 2010

Sieben Tage in Tibet – Eine Zugreise zum Dach der Welt

Wie eine alte Dame rollte pünktlich um 20:59 abends unser militärgrün-angestrichener Bummelzug gemächlich aus dem belebten Hauptbahnhof von Chengdu. Bis zur Endstation Lhasa in Tibet-Hochland sollten wir über 3000 km zurückgelegt, dabei über 3130 Meter an Höhe gewonnen und zwei der größten Provinzen im Westen Chinas, Gansu und Qinghai, durchquert haben. Dekadent (bzw. vorsorglich) wie wir waren, haben wir Plätze in der ersten Klasse, der sogenannten „Soft-Sleeper“ gebucht. Eine Tatsache, die man mit westlicher Erwartungshaltung an Geräumigkeit als Komfortattribut mit Sicherheit nicht festmachen kann. Dafür konnte unser Zug mit einigen anderen, für die Tibet-Strecke notwendigen, Besonderheiten aufwarten. So gab es vorsorglich an jedem Bett ein festinstalliertes Sauerstoff-Ventil gegen die Höhenkrankheit. Ein Großteil der Strecke fuhr der Zug nur auf meterhohen Stelzen. Und neben Chinesisch und Englisch gab es die Beschilderungen im Zug zusätzlich mit tibetischen Schriftzeichen.

Trotz des „unbeschreiblichen“ Luxus in unserem Schlafabteil (das übrigens als einziges im ganzen Zug über eine westliche Toilette verfügte), zogen wir der geselligeren Atmophäre des Speisewagens vor. Dort waren wir mit unserer Vorliebe nicht alleine,  u.a.  machten wir dort die nette Bekanntschaft eines Schweizer Ehepaars,  welches gerade eine kleine Auseinandersetzung  mit der Bedienung hatten wegen einer gefälschten Banknote. Diese waren übrigens bereits monatelang mit Fahrrädern quer durch Südostasien gereist und befanden sich auf dem Weg über Tibet nach Nepal. Überhaupt schien der Speisewagen ein Lieblingsaufenthaltsort für ausländische Zugreisender zu sein, die auch schon mal länger dort ausharren als nötig. Jedenfalls ließe folgende Übersetzungshilfe für die fremdsprache-unkundige Zugbegleitung darauf schließen. Wobei ein „HELL, what do you need?“ nicht unbedingt von Fingerspitzengefühl zeugt. 😀

Ansonsten gestaltete sich die über zwei Tage lang dauernde Zugreise durchaus kurzweilig, auch wenn wir an fast jedem möglichen Kaff Halt machten. Landschaftlich wurden uns so einiges geboten. Von sanft am Horizont vorbeiziehenden Sanddünen, über endlose Salzseen voller Möven bishin zu Schnee bedeckten Gebirgsketten wurden einiges für die Kameralinse geboten…das heisst, wenn der Kameramann mal zufällig wach war 😉

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Sieben Tage in Tibet – Pandamania

Okay, ich weiss, bin etwas in Verzug was meine Tibet-Berichterstattung angeht. Aber zu meiner Verteildigung läuft derzeit wieder ein Tango-Workshopdie Fußball WM hält mich in Atem, zudem verlangen mehrere Projekte in der Firma gerade meine (theoretisch) ungeteilte Aufmerksamkeit, und obendrein muss ich mich wieder mit den chinesischen Behörden rumschlagen, weil ich meinen Pass in Tibet verloren habe (dazu später mehr). 😦 Versuche aber trotzdem weiterzubloggen, auch wenn die Updates zur Zeit sehr unbeständig erfolgen.

Nach einem weiteren Tag bizarrer kulinarischen Begegnungen, fanden wir vor einem lokalen Show-Bühne wieder. Der Unterhaltungswert der akrobatischen Darbietungen hätte durchaus überragend sein können, wäre die Geräuschkulisse nicht derart ohrenbetäubend gewesen. So war man die ganze Zeit eher damit beschäftigt, eine möglichst schöne Todesart für den sadistischen Ton-Techniker zu überlegen, als etwa das Showprogramm zu genießen.Anschließend beim Abendessen lernten wir, unter extremer Belastung der Tränendrüsen, warum Hotpot auf Chinesisch eigentlich „Feuertopf“ (火锅) heisst. Letztere beschreibt nämlich viel treffender die lavarote Brühe, in welche man das Essen eintaucht. Eigentlich war es beim Verzehren später egal, was man so an exotischen Zutaten bestellt hat, weil die Geschmacksnerven durch die lähmed Schärfe eh alle funktionsuntüchtig geworden waren.

Nachdem wir uns ein Bild vom ruhigen Alltag in Chengdu gemacht haben, fuhren wir am nächsten Tag hinaus zur bekannten Chengdu Panda Base im Norden der Stadt. Dort stellten wir mit Erstaunen fest, dass nicht nur Menschen nach dem Mittagessen einen Durchhänger haben, sondern die faule Pelzknäuel genauso einen Nickerchen brauchen. Zeitweise herrschte  allerdings Verwirrung darüber, ob da wirklich ein schnarchender Panda rumliegt oder doch ein studentischer Praktikant in Pandakostüm. Aber da wir uns strikt an die klaren Anweisungen auf den Schildern hielten, konnten wir das Rätsel leider genauso wenig lösen wie, was im Panda Kitchen für tolle Gerichte servierten werden.

Überhaupt findet man in China öfters öffentliche Hinweisschildern deren englische Übersetzung für ein Lacher gut sind. Zurück in die Stadt, fanden wir bei der Post zum Beispiel folgende Übersetzungsperle am Schalter. Da hat jemand (bzw. Google) das chinesische Zeichen für „Schalter“ (台) kurzerhand übersetzt in „Taiwan“ (台湾). 😀

Abends bestiegen wir den Bummelzug von Chengdu nach Lhasa… Zwei Tage Non-Stop Zugfahrt zum Dach der Welt stand uns bevor.

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Sieben Tage in Tibet – Ankunft in Chengdu

Chengdu, diese uralte Provinzhauptstadt von Sichuan ist vor allem bekannt für zwei Dinge: Schöne Frauen und formidable Essenskultur. Die erste Aussage kann ich mit gutem Gewissen bestätigen, ohne näher auf die Details einzugehen :D. Die zweite allerdings nur mit dem Vorbehalt, dass man unbedingt scharf-gewürzte Gerichte mag. Ich zähle mich leider nicht dazu. Das hat zur Folge, dass ich mich während meines zwei tägigen Aufenthalts in Chengdu kulinarisch nicht besonders gut aufgehoben fand. Zum Glück war ich nicht deswegen nach Chengdu gekommen. Hier wollte ich mich mit meinen Begleitern für die Tibetreise treffen. Der erste Tag verbrachte ich allerdings alleine in der Stadt, da die anderen sich noch auf Transit befanden. Es gab zum Glück genug sehenswertes, so dass sich die Wartezeit mehr als kurzweilig gestalteten ließ. Nach der obligatorischen Erkundung der Innenstadt steuerte ich eine der bekanntesten „Must-Sees“ von Chengdu an: Jinli (锦里), eine historische Gasse- und Gartenanlage mitten in der Stadt. Neben offiziellen Highlights wie der Ohrenputz-Service und die „Three Big Bombs“, gab es auch diese schöne Starbucks Coffee Filiale sowie  den ersten tibetischen Mönch zu bestaunen. Statt mein Geld in den vielen Souvenirläden mit mehr oder weniger transportfähigen Erinnerungsstücken auszugeben, gab es  lieber eine kleine Spende für die Tierheime von Chengdu. Zum Abschluss gönnte ich mir noch ein Fussbad plus Massage. Schließlich sollte diese Gliedmaßen  in den nächsten Tagen noch starke Belastung erfahren…

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Tango-Schuhe und Fertignudel

Ich unterbreche die Tibet-Berichterstattung mit einer wichtigen Eilmeldung. Und zwar sind meine Tango-Schuhe, die ich damals während des Tango Festivals in Seoul bei Odile bestellt habe, endlich eingetroffen. Die Verarbeitung ist echt exzellent und die Größe passt wie angegossen. Teuer wie diese sind, werde ich sie natürlich nur auf Milongas tragen und sonst weiterhin mit meinen wesentlich günstigeren Tanzschuhen „Made in China“ üben. 

Übrigens, als ich das Paket öffnete, entdeckte ich zu meiner Überraschung auch eine Packung koreanische Fertignudel als nette Beigabe. Werde die kleine Aufmerksamkeit  mal probieren, wenn mich der kleine Hunger überkommt. Ich hoffe nur, die ist nicht allzu scharf. 🙂