Archive for März 2010

Ein (halber) Tag an dem Man(n) gerne Frau ist…

Wie ich Dusel erst heute im Büro mitbekommen habe, ist heute Weltfrauentag! An dieser Stelle sende ich natürlich einen herzlichen Gruß an alle weibliche Wesen, die ich kenne. 😎

In China ist der 8. März seit 1949 sogar gesetzlicher Feiertag (三八妇女节). Alle Frauen in China haben heute halben Tag lang frei. Natürlich sind heute trotzdem viele Kolleginnen pflichtbewußt zur Arbeit gekommen.

Generell habe ich das Gefühl, dass Gleichberechtigung in China wirklich gelebt wird. Frauen, die dauerhaft im Berufsleben und in führenden Positionen sind, sind keine Ausnahmeerscheinungen sondern was alltägliches. Das muss man den Kommunisten wirklich zugute halten, dass sie diese Bewegung über Jahrzehnt positiv gefördert und in der Gesellschaft gefestigt haben. Sicherlich hat auch die Ein-Kind-Politik dazu beigetragen, dass in China der Einsatz der Frauen im Berufsleben kalkulierbar geworden ist, so markaber es vielleicht auch klingen mag.

Das etwas andere Beijing…

Da ich mitten in CBD ( Central Business District), das moderne Vorzeige-Geschäftsviertel von Beijing, wohne und arbeite, habe ich die meiste Zeit zwar das Gefühl in einer Großstadt zu sein, aber nicht unbedingt in welch einer.

Am Wochenende hatte ich jedoch die Gelegenheit eine andere Seite von Beijing kennenzulernen. Und zwar gibt es hinter der Verbotenen Stadt ein Stadtviertel mit traditionellen Beijinger Wohnhäusern, welche (noch) nicht dem Abrisswahn der Chinesen zum Opfer gefallen sind. Einige Strassen und Gassen dieses Wohnviertels hat man zu Erlebnismeilen umgestaltet, mit allerlei alternativen Gallerien, skurillen kleinen Geschäften und Imbissbuden mit Beijinger Spezialitäten. Mittlerweile ist es ein beliebter Sightseeing-Spot geworden, wo man vorzugsweise ein Touristenklientel aus dem Ausland bedient, das pseudo-alternativ auf der Suche nach dem wahren China in Beijing ist. Unter den Einheimischen ist das Areal jedoch umstritten. Viele Bekannten, mit denen ich bisher darünber unterhalten habe, sind eher der Meinung, dass es eine kommerzialisierte Form von Nostalgie fröhnt, die so gar nichts vom wahren Beijing wiederspiegelt.

Wie auch immer. Auf jedenfall gehört es zum Pflichtprogramm, es mal gesehen zu haben. Und dank der fachkundigen Führung meiner lokalen Begleitung hatte ich  jenseits der Touri-Spots auch das authentische Beijinger Food erleben dürfen. Ich sage jetzt absichtlich nicht „genießen“. 😉 Anbei einige Impressionen vom Besuch des 南锣鼓巷.

Freitagabend in 玲珑 Town

Bei Schreiben meines letzten Artikels habe ich gemerkt, dass ich viel zu wenig über mein kulinarisches Wohlergehen  in Beijing berichte. Daher möchte ich Euch wieder mit paar Bilder vom Essen verwöhnen. Freitagabend waren wir in einem netten (= leicht verkitschten) Restaurant mit dem niedlichen Namen 玲珑小镇 (etwa „Meine idyllische Kleinstadt“), das sich irgendwie zum Ziel gemacht hat,  typische Gerichte aus Hangzhou mit der feinen taiwanesischen (Nachtisch-)Küche zu kombinieren. Wie man zu dieser gewagten Mischung gekommen ist, ist mir zwar schleierhaft, dafür war das Essen aber wirklich lecker und vor allem kreativ gestaltet. Nur idyllisch war’s nicht unbedingt, dank für China typischer, lärmender Kundschaft. 😀

Da das Restaurant nur ein Steinwurf von meinem Appartment weg ist, werde ich demnächst sicher öfters mal reinschauen und die köstliche Karte abarbeiten. 🙂

Up in the Air…

Ich mag es zu fliegen. Ich mag die hektisch-sterile Atmosphäre am Flughafen. Ich mag die sexy-monotone Ansagestimme, die Passagiere zum nächsten Boarding dirigiert. Ich mag den Anblick von Stewardessen in schicken Uniformen. Und ich mag es über den Wolken zu sein, wo die Freiheit grenzenlos ist… Allerdings gibt es auch unangenehme Seiten des Fliegens. Wie etwa das obligatorische Striptease and der Sicherheitsschleuse, das bange Warten an der Gepäckausgabe und… das Essen in der Economy Class. Nun ja, eigentlich weniger das Essen an sich, sondern mehr den Essensvorgang. Essen in Economy ist keine klassische Nahrungsaufnahme, sondern eine Kunst, bei der man akrobatisches Geschick in Mikro-Raummanagement vollbringen muss, um eine einigemassen zivilisierte Verzehrhaltung an den Tag zu legen. Und der Schwierigkeitsgrad lässt sich beliebig steigern, wenn etwa just während der Essenszeit der Kapitän das Flugzeug durch paar nette Turbolenzen steuern muss oder wenn der Sitznachbar am Fenster plötzlich den Drang verspürt, auf die Toilette gehen zu müssen, während man gerade zum Verzehr seiner gebratenen Nudeln ansetzt… Das sind dann Momente, an denen die Spreu vom Weizen getrennt wird und der wahre Economy-Food-Akrobat sein ganzes Können bei der Ausnutzung von Spielräumen in Millimeterbereich unter Beweis stellen darf. Glücklich der, wer regelmässig Yoga praktiziert.

Und natürlich ist das Finishing genauso wichtig wie der Verzehr an sich. Schließlich gibt es für Vielflieger nichts peinlicheres, als den „Aufräum-Test“ nicht zu bestehen. Es ist immer wieder ein Genugtun, das dankbare Lächeln der gestressten Stewardess zu empfangen, wenn diese zum Einsammeln der Essenstabletten vorbeikommt und das benutzte Geschirr ohne Mühe mit einem Handgriff in ihr Container schieben kann. das Zusammenspiel klappt natürlich nur dann, wenn der Economy-Class-Routinier beim Essen soviel Sorgfalt walten ließ, so dass alle Utensilien sich mehr oder weniger dort wieder befinden wie vor der Essenseinnahme. Anbei zwei Illustrationen, wie man es falsch bzw. richtig richtet.

Chihuahua-Kutsche am Bund

Also manchmal nimmt die Art wie Chinesen Haustiere hegen und pflegen schon bizarre Züge an. Als ich damals die beiden Schuhträger auf der Strasse von Beijing gesehen habe, war ich schon ziemlich baff. Aber das was ich letzte Woche in Shanghai auf dem Bund an mir vorbeiziehen sah, toppt wohl alles. Da zogen doch tatsächlich zwei Chihuahuas eine Kutsch mit den Chinesischen und EXPO2010-Flaggen durch die Gegend. In der bunten Kutsche sass eine Katze und schaut verdutzt auf die gaffenden Passanten, die nicht minder verdutzt aus der Wäsche schauen. In Deutschland wäre sowas wohl schwerverdächtig als Tierquälerei eingestuft worden, in China reicht die Parade gerade mal als nette Zirkusnummer.

Ach, habe ich eben erwähnt, dass ich auf dem Bund war? Ja, ich habe tatsächlich bei meinem Shanghai-Besuch so ziemlich alle klischeeträchtige Orte abgegrast. 🙂 Zum Bund bin ich aber extra mit der Zielsetzung gegangen, die geschichtsträchtigen Fassaden der Bauwerke zu fotografieren. Deswegen werdet Ihr auch kein zig-millionenfach bereits photografiertes Panorama von den Skylines von Pudong in den Bildern unten finden. 🙂