Archive for März 2010

Arbeitsplatz der Kuscheltiere

In Vertrieb ist Mobilität ein ganz wichtiger Faktor. Weil in der Pekinger Niederlassung meiner Firma hauptsächlich Vertriebsleute ansässig sind, wird hier das Prinzip von Hot Desk Sharing gelebt. Das heisst konkret, dass die Mitarbeiter keinen festen Arbeitsplatz haben, sondern sich jeden Tag einen freien Schreibtisch „erkämpfen“ müssen.  Dort schließt man sein Laptop an, loggt sich per Passwort ins IP-Telefon ein, und ruckzug ist man bereit zum Malochen. Für Vertriebsleute, die eh nur sporadisch im Büro sitzen (dürfen), ist das natürlich eine super Sache, um Kosten zu sparen. Für Mitarbeiter allerdings, die nicht in Vertrieb arbeiten (wie ich und einige andere) bedeutet das aber auch Nachteile. So darf man eigentlich keine persönliche Sachen über Nacht am Tisch zurücklassen, da man sich nie sicher sein kann, dass der Platz morgen noch frei ist. Trotzdem haben sich einige findige Mitarbeiter unerlaubterweise Stammplätze für sich gepachtet, wie man auf dem Bild sieht, manchmal durchaus mit recht „rabiaten“ Mitteln. Der (vermute ich mal) weibliche Mitarbeiter dachte sich in diesem Fall wohl, niemand würde sich freiwillig an einem Platz niederlassen, der so kindisch dekoriert ist. Tja, ich hab’s trotzdem gemacht, als ich heute zuspät zu Arbeit kam und alle andere Plätze schon besetzt waren… Wie heisst es nochmal so appetitlich? In Not frisst der Teufel Fliegen. 🙂

Lamm „Skorpion“ Hotpot

Heute war ich nach’m Tanzen wiedermal zusammen mit meinem Tangolehrer und Mitschüler Abendessen. Diesmal haben sie mich zu einem Spezialrestaurant für „Lamm Skorpion“ Hotpot (羊蝎子) geschleppt. Bei dem Namen habe ich schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Schließlich war ich dann doch froh, dass man nicht etwa lebende Skorpione in kochendes Wasser werfen musste, sondern dass der Name daher rührt, dass die eigentliche Hauptzutat, Lammrücken von jungen Lämmern, wie der Stachelschwanz von Skorpionen aussieht. Also alles rein bildlich…puh 😀

Das Ganze sah dann auch entsprechend harmlos aus; Schmeckte aber wirklich vorzüglich. Ein Highlight war sicherlich die Zubereitung von Nudeln fürs Hotpot. Diese werden nämlich als runde und dicke Teigformen serviert und mussten von der Bedienung am Tisch zu Nudeln gemacht, besser geschmissen, werden. Der Vorgang habe ich natürlich als Video festgehalten.

Mäuse-Tausch mit Folgen

Das blinkendes Etwas auf dem Bild ist weder ein Phaser aus Star Trek noch ein Sex-Spielzeug sondern tatsächlich sowas wie eine Computer-Maus, die ich zu meinem Leidwesen ab nun benutzen „darf“. Zu dieser „Ehre“ hat mich eine Kollegin heute gebracht, die unverhofft vorgeschlagen hat, doch mal die Mäuse aus Jux zu tauschen. So ganz ohne Hintergedanken war die Tauschabsicht wohl nicht. Denn diese kleine Neoreklame fürs Büro (sogar mit eingebautem Wasserbehälter inklusive schwimmenden Koi-Karpfen und Wasserpflanze) sieht zwar chic aus, aber was Nutzbarkeit im Arbeitsumfeld angeht, hinkt sie doch meiner nüchternen weissen Logitech-Maus Lichtjahre hinterher. Auf so manchen Untergrundflächen versagt die Neon-Koi-Maus gar gänzlich den Dienst, was die Produktivität äußerst negativ beeinflusst. Und ich glaube nicht, dass ich die Maus je zu einem Kundentermin mitnehmen werde…außer sie kann fließend chinesisch reden 😆

Nun ja, zumindest habe ich jetzt eine grelle Lichtquelle mehr, sollte ich unerwartet im dunklen Büro Überstunden zur späten Abendstunden schieben müssen. 🙂

Tango im Tempel

Derzeit sind Isabel Acuña und Andres Laza Moreno, zwei erfahrene Tango-Lehrer aus Buenos Aires zu Besuch in Beijing, um Workshops abzuhalten. Am Wochenende fand anläßlich dessen die Willkommens-Milonga in einem 700-Jahre alten chinesischen Tempel in Beijing statt mit Live-Musik und Tango-Performance von Isabel und Andres.

Es war eine ausgesprochen ausgefallene Tanz-Ambiente. Und ich habe natürlich versucht, alles fleissig mit meiner Kamera festgehalten. Zwei der Videos vom Tango-Performance habe ich mittlerweile auf Youtube hochgeladen. Eins davon zeigt einen schnellen Milonga von Isabel und Andres, welcher übrigens beim ersten Versuch dank eines Kurzschlusses der Anlagen jäh unterbrochen wurde. 😀 Die Version auf dem Video stammt vom zweiten Anlauf. Wie man sieht, hat dieser kleine Aussetzer dem Rhythmus von beiden keinen Abbruch getan.

 

Let’s Tango!

Viele von Euch werden sicherlich fragen, was ich in Beijing sonst so treibe. Immerhin können paar Sightseeing-Aktivitäten am Wochenende wohl kaum meine Freizeit derart in Anspruch nehmen, dass ich kaum noch zum Bloggen komme.  Womit ihr recht habt!  Tatsächlich bin ich wohl zur Zeit so busy wie noch nie in meinem Leben. Hierzu fällt mir ein Filmzitat aus Matrix Teil 1 ein:

Thomas A. Anderson is a man living two lives. By day he is an average computer programmer and by night a malevolent hacker known as Neo“ – Agent Smith

Nun ich bin weder Programmierer noch Hacker, auch wenn ich durchaus mein Brötchen in der IT-Branche verdiene. Aber tatsächlich führe ich sowas wie ein Doppelleben in Beijing. Am Tag bin ich einer von vielen anonymen White-collar Workers, wenn auch ein etwas sonderbarer, sobald ich meinen Mund aufmache :).  Und abends (und oft gerne auch bis tief in die Nacht), verwandle ich mich in den eifrigen Tango-Azubi, der durch die Milonga-Szene von Beijing  geistert und wehrlose Tangueras (=Tangotänzerinnen) zum Tanzen auffordert, oftmals ohne groß Rücksicht zu nehmen auf mögliche (Gesichts-)Verluste, verschuldet durch meine immer noch sehr beschränkte Tanzfähigkeit.

Obgleich es bei Milonga für die weibliche Part durchaus die Möglichkeit vorgesehen ist, die Aufforderung zum Tanzen ohne weitere Erklärung abzulehnen, machen gerade in Beijing (zum Glück) kaum eine Dame davon gebrauch. Und ich habe noch nicht ganz raus, ob es an der mangelnden Männerauswahl liegt, dass selbst gute Tänzerinnen sich immer wieder mit meinen (noch!) bescheidenen Tanzkünsten abgeben, oder aber daran, dass Chinesinnen von Haus beigebracht werden, einem Mann nie sein Gesicht verlieren zu lassen. Wie auch immer geartet, für meinen Lernfortschritt war es bisher immer sehr dienlich. Ein weiterer Vorteil vom Tango-Tanzen ist, man lernt unheimlich schnell eine bunte Mischung an Leute kennen, die alle die Leidenschaft für Tango Argentino verbindet. Eine bessere Möglichkeit in Beijing Anschluss zu finden hätte ich mir gar nicht zu erträumen gewagt. Tatsächlich verbringe ich nun einen Großteil meiner Freizeit mit Tango-Lernen und Üben. Eigentlich ein Glücksfall, dass ich derzeit arbeitstechnisch noch viel mit Kollegen aus Deutschland zu tun habe, und somit dank des Zeitunterschieds von sieben Stunden morgens nicht allzu früh zur Arbeit muss. 😉

Diese Zeilen verfasst der erschöpfte Tango-Azubi übrigens nach einer durchtanzten Milonga in Hidden Dream Cáfe, ein wunderschönes Buenos Aires-Style Tango Café in einem ehemaligen chinesischen Fürsten-Residenz aus der Qing-Dynasty (段祺瑞执政府旧址).

Three (inofficial) Rules of  Tango Argentino:

1. Make the Woman happy!

2. Listen to the Music!

3. Dance with Beauty!

*Hust* *Hust*

Wie man auf dem Foto sehen kann, welches ich heute Mittag(!)  aus dem Bürofenster gemacht habe, ist Luftverschmutzung in Beijing tatsächlich ein großes Problem.  Auch wenn meine Kollegen mir beteuern, dass es in den letzten Jahren schon wesentlich besser geworden ist. An solchen versmogten Tagen fällt es einem wirklich schwer zu glauben, dass Outdoor-Aktivitäten gesund sein könnten. Zum Glück bin ich dank meiner Arbeit und meiner Freizeitaktivitäten meistens indoor und abends unterwegs. Dennoch überlege ich mir so langsam, mir ein paar der bunten Mundschutz-Masken zuzulegen, mit denen hier viele rumlaufen. 🙂

Eine runde Sache

Eben habe ich festgestellt, dass mein gestriger Beitrag bereits den hundertsten Artikel auf diesem Blog markiert! Seit der Entstehung dieser kleinen Seite im August vergangenen Jahres hat sich die Besucherzahl stetig positiv entwickelt (siehe Statistik). Zu diesem Anlaß möchte ich mich für jeden Click von meinen treuen Lesern und ebenfalls von all jenen, die sich auch nur zufällig hier vorbei verirrt haben, bedanken. Eure tatkräftige Unterstützung hat dieses schönes Ergebnis erst möglich gemacht.

Ich werde natürlich mein bestes geben, um Euch weiterhin regelmässig mit Berichten über mein Tun und Treiben in Beijing zu beglücken. Auf die nächsten 100 Artikeln! 谢谢!

Puppen aus Japan

Am Wochenende war ich bei der Japan Foundation von Beijing (日本文化中心) und hab mir die Ausstellung von traditionellen japanischen Puppen (人偶) angeschaut. Die Exponate waren übersichtlich aber repräsentativ. Ich hätte mich zwar mehr über die Herstellungsmethoden informiert, aber die vorort gezeigte audiovisuelle Dokumentation gab es leider nur auf Japanisch ohne Untertitle. Und so gut ist mein Japanisch dann doch noch nicht, als dass ich alles verstehen konnte.

Während ich im Foyer auf meine Begleitung wartete, ist mir übrigens die Beschilderung der Stockwerke mit den ansässigen Firmen aufgefallen. Wie man auf dem Foto unschwer erkennen kann, gibt es die Stockwerke 4, 13, 14 und 20 nicht. Diese Stockwerkszahlen gelten in China nämlich als Unglücksbringer und werden daher gerne übersprungen. 😀

Beim Frühstück

Es heisst ja, dass es nichts besseres gibt als den Tag zu starten mit einem guten und ausgiebigen Frühstück. Und ich muss sagen, seitdem ich hier im Hotel wohne und dank der Tatsache, dass das Frühstück inklusive ist,  praktiziere ich diese Weisheit auch wirklich regelmässig. Die Küche hier bietet, wie es sich bei einem Luxushotel eben gehört,  üblicherweise sowohl ein asiatisches als auch kontinentales Frühstück. Wobei das letztere eindeutig die westlichen Gäste ansprechen sollte. Abundan versuchen sich aber auch so manche chinesische Gäste an den westlichen Leckereien, entweder aus Neugier oder einfach weil sie es nicht besser wußten. Heute am Früchstücksbuffet stand z.B. ein junger Chinese am Brottisch, versuchte ganz weltmännisch und fachgerecht mit dem langen Baguettemesser ein Croissant zu halbieren/zersägen/vergewaltigen, was natürlich mehr schlecht als recht ging. Da konnte ich mir ein Grinsen doch nicht ganz verkneifen. Sonst lästere ich natürlich ungern über Unwissenheit anderer. Aber solche Erheiterungen auf Kosten meiner Landsleute am Morgen zuzulassen kann das geistige Wohnbefinden für den Tag sicherlich auch nur nützlich sein. 😀

Übrigens sind es auf dem Bild keine exotischen Tintenfische oder essbare Korallen, sondern schlicht „Deep Fried Sausages“, zugegebenermassen leicht deformierte. 😉

Endlich wieder ein „(fast)normales“ Leben!

Heute gibt es was zum Feiern. Nach über 6 Wochen Odyssee in Lagerhallen, auf Lkws und per Flugzeug ist nämlich mein ganzes Hausrat endlich bei mir angekommen! Somit ist mein zwei Monate langes Leben auf Koffern ist nun offiziell zu ende.

Ich hätte die Sachen wesentlich früher bekommen können, hätte ich fürs Clearing bei Zoll nicht ein Residence-Permit mit mindestens 365 Tage Aufenthaltsgenehmigung vorlegen müssen. Nur hat das Immigration-Office mir aber unerklärlicherweise fünf Tage abgezogen und nur 360 Tage Aufenthalt ausgestellt (ein Jahr hat in China auch 365 Tage, möchte man meinen). Ich musste daraufhin noch einen offiziellen Erklärungsbrief vom Arbeitgeber inklusive Stempel beifügen, damit der Zoll meine Sachen freigibt. Die Logistik-Firm hatte mir dafür einen Briefentwurf geschickt, der prompt von der Rechtsabteilung meiner Firma abgelehnt wurde, weil darin stand, dass die Firma den Antrag für meinen Aufenthalt zu spät eingereicht hat, was natürlich nicht stimmt. Aber man darf ja nicht ehrlich reinschreiben, dass das chinesische Immigration Office Mist gebaut hat. In China ist die staatliche Autorität ja bekanntlich unfehlbar…Also musste der Brief angepasst werden. Lange Worte kurzer Sinn, Bürokratie vom feinsten. Aber am Ende hat dann doch alles geklappt und nichts wurde beschädigt oder entwendet. Selbst mein Cowboy-Hut hat die Reise ohne Knick überlebt. Nun habe ich auch deutlich mehr Auswahl hinsichtlich Outfits,  muss auch nicht mehr sparsam mit meinem Aftershave umgehen und das erfreulichste, ich habe meine Turnschuhe wieder und kann endlich wieder laufen gehen! Das hat mir in den letzten Monaten  doch sehr gefehlt. 🙂

Apropos Laufen, von 29. April bis 3. Mai findet übrigens das jährliche Seoul Tango-Festival statt. Dort treffen sich die besten Tango-Tänzer aus ganz Asien. Mich juckt es schon in den Fingern, mal vorbeizuschauen. Die Unbekannte ist hier eher, ob ich bis dahin ein passables Niveau erreiche. Zur Zeit sieht es wohl eher nicht danach aus. Die Doppelbelastung Salsa und Tango macht sich doch arg bemerkbar. Plus obligatorisches Wochenende-Sightseeing komme ich fast zu nichts anderem. Aber auf dieser Weise kommt mein innerer Schweinehund auch nicht etwa auf die blöde Idee, einen Abend alleine vor der Glotze zu verbringen,  auch wenn das Satelliten-Fernsehprogram im Hotel wirklich verlockend gut ist. 😀