Archive for Januar 2010

Zurück in der Ferne

Ein überfreundlicher Airport-Pickup-Service mit Empfehlung vom Hotel, ein „leicht“ überdimensioniertes dafür/trotzdem top-ausgestattes Serviced Appartment inkl. persönlicher Begrüßungskarte vom Manager, jede Menge gesperrte Internetseiten von Facebook über Youtube bishin zu WordPress (die ich aber dank Firma-VPN trotzdem erreichen könnte), ein kuscheliger 7-Eleven-Laden zur späten Stunde mit leicht vergriffem japanischem Sushi-Sortiment, eine kindische Citi Bank ATM mit albernen, englischen Begrüßungstext,  kuschelige U-Bahn-Fahrt zur Feierabend-Rushhour zum Testen der eben erworbenen aufladbaren Metro-Dauerkarte, riesige Einkaufszentren mit unzähligen Schnellrestaurants (man beachte das schmucke taoistische Opferaltar mit elektrisch-betriebenen Kerzen an der Küchenwand), welche sich mit diesen und jenen Leckereien um die Gunst des hungrigen, vom Jet-Lag geplagten Kunden wetteifern und natürlich Hektik, Lärm, Menschen und Menschen und Menschen ohne Ende… Manche Bilder des heutigen Tages waren doch ziemlich unwirklich für jemand, der eben vor paar Stunden aus dem Flieger ausgestiegen war, und dem nichts mehr am beschaulichen Abendland erinnert, als erstmal lediglich die zufällig entdeckte Deutsche Bank Filiale. Dafür ließen andere Bilder mich umso unmissverständlicher wissen: Du bist wieder in Asien angekommen.

Das Highlight mit der höchsten Überraschung- und Unterhaltungsnote bekommt heute von mir aber meinen begehbaren Kleiderschrank inkl. Spiegel. Musste doch sehr lachen, weil es mich doch arg an Sex and the City erinnert. Fehlt mir nur noch die entsprechende Sammlung von Klamotten und Schuhen, um ihn artgerecht mit Leben zu füllen…

Morgen geht es gleich weiter „Business as Ususal“ mit Auftritt auf SAP APJ FKOM2010, welches erstmal meine volle Aufmerksamkeit für die nächsten drei Tage binden wird. Ab Donnerstag kann ich mich dann hoffentlich wieder stärker meinen Sozialisierungsaktivitäten in Beijing widmen.

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China-Bashing und der G-Punkt

Und es gibt ihn doch in Reinform. Schlechter Journalismus über China. Diesmal verzapft von Financial Times Deutschland.

Der Artikel hat wahrhaftig in seiner Kategorie das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient, als dass er geschafft hat, so ziemlich jedes prominente Fauxpas der China-Berichterstattung der vergangenen zwei Jahrzehnte in einer Verdichtung zu begehen, die ich bisher nicht für möglich gehalten habe. Ein möglichst provokanter Titel flankiert mit pseudo-ominöser Bildersprache und kontextfreier Zahlenakrobatik gepaart mit Binsenweisheiten aus der China-Einmaleins-Schatulle, noch schnell die Anti-Globalisierungskeule zum moralischen Rundumschlag geschwungen und fertig ist die Gelbe-Gefahr-Panikpolemik aus der Retorte. 🙄

Zum Glück gab es heute aber auch „differenzierten Journalismus“ zum Lesen, wenn auch in einer ganz anderen Themensparte, dafür aber mit „handfestem“ Informations- und Unterhaltungsmehrwert.  😉

Über Fremdheit und Küsse aus Shanghai

Was treiben Menschen eigentlich dazu, die Strapazen eines Lebens fernab von der Heimat auf sich zu nehmen?

Wo lässt sich das Gefühl des Fremdseins noch richtig erfahren (in einem Zeitalter, in dem die Welt immer mehr zu einem Dorf zusammenschrumpft)?

Wie offenbart sich die Wahrnehmung des Fremdgängers gegenüber sein Heimat- und Gastland?

–>  ein Erklärungsversuch von The Economist

Ich konnte dem theoretischen Bezugsrahmen des Artikels so einiges abgewinnen. Auch wenn einige Behauptungen sehr provokant daher kommen, wie etwa dass die Faszination der „Foreignness“ letztlich auf Flucht vor der Verantwortung fusst (ich hätte es  gerne eher als Ausbruch aus der gesellschaftlichen Rollenzwänge verstanden). Besonders angetan hat mich die Passage über die melancholische Verklärung eines nicht mehr existierenden Heimatbildes genährt von Homesickness(!)  und dessen „incurable variant, nostalgia„. Ich glaube noch nie hat mir etwas geschriebenes so unverblümt ins Gesicht gesagt, dass ich ein heimatloser, realitätsferner Trottel bin. :mrgreen:

Und weil es so schön reinpasst wie Faust aufs Auge, habe ich auch eine Empfehlung für eine filmische Verarbeitung des Themas. „Shanghai Kiss“ (2007) erzählt von einem ABC auf der Suche nach seiner Identität in Shanghai. Göttliche Komödie mit Tiefgang. Eine Perle unter den wenigen US-Filmen über Asian-Americans. Unverständlicherweise in USA nur auf DVD erschienen. An der Frage nach der Mainstream-Tauglichkeit einer Love-Story zwischen einem Asiaten und einem weißen Mädchen wird es wohl nicht gelegen haben. *hust* *hust*

My personal Hangover in Prag…

Okay, so schlimm/verrückt wie im Film Hangover ging es bei unserem Silvester-Trip nach Prag zum Glück/leider nicht zu, auch wenn die abenteuerliche Suchfahrt nach einem „Secure Parking“, die unappetitliche Entdeckung der fremden Mageninhalte an unserer Hotelzimmertür und die nächtliche Begegnung mit der italienischen Schmuggelmafia in Wohnmobilen Ereignisse waren, die fast filmreif gewesen wären.  Berichten möchte ich aber dann doch lieber über die „positiven“ Aspekte einer Silvesterparty in der tschechischen Hauptstadt.

Zwischen den immer wiederkehrenden Bedürfnissen, die Prager Gay Sauna aufzusuchen und den coolsten DJ in ganz Prag zu finden, haben wir nämlich auch so normale Aktivitäten unternommen wie Essen, Trinken, Rauchen und Feiern. Manche mit viel Fingerspitzengefühl vermochten gar alles gleichzeitig. 😉

Das Countdown zu 2010 erlebten wir dann am Altstädter Ring im Zentrum von Prag. Dabei bekam unsere lustige Party-Truppe diese und jene,  vorzugsweise weiblich Zuläufe. Mein kleiner Platzer beim Leeren der Sektflasche machte ich übrigens sogleich wieder gut durch eine fehlerfreie Handhabung der Mondrakete. 😀

Den Tag danach nüchtern anzugehen, fielen einige dann sichtlich schwer. Stellenweise gaben uns auch die kulinarischen Exzessen insbesonderen im direkten „Vorher“ und „Nachher“ – Vergleich sehr zum Nachdenken. Um also nicht komplett als kulturblinde Partyanimals zu verkommen, haben wir uns dann noch aufgerafft, wenigstens einige der Mainstream-Tourispots von Prag aufzusuchen. Unter anderen können wir uns nun damit brüsten, bekannte Prager Sehenswürdigkeiten wie den WentzelplatzKafkas Lieblingscafé und die Karlsbrücke besucht zu haben. Auf der letzteren endeckte ich übrigens die folgende einfallsreiche Open-Air Karaokeinlage.

Nachdem unser geplanter Besuch des Judenfriedhofs von Prag durch den Schabbat verhindert wurde (eine Tatsache, die uns natürlich erst am Eingang einfiel), schlossen wir unsere Pragreise dann doch ganz versöhnlich mit der Besichtigung der Prager Burg ab, von wo aus wir mit einem Stadtpanorama verwöhnt wurden.